Sechste Station

Eine fromme Frau wischt das Gesicht Jesu ab

Sechste Station : Eine fromme Frau wischt das Gesicht Jesu ab

Viele haben sich über ihn entsetzt, so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch, seine Gestalt war nicht mehr die eines Menschen. Jetzt aber setzt er viele Völker in Staunen, Könige müssen vor ihm verstummen. Denn was man ihnen noch nie erzählt hat, das sehen sie nun; was sie niemals hörten, das erfahren sie jetzt. Er hatte keine schöne und edle Gestalt. Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut. Aber er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. (Is. 52, 14-15 und 53, 2-4)
Ich suchte ihn, den meine Seele liebt. Mich fanden die Wächter bei ihrer Runde durch die Stadt: „Habt ihr ihn gesehen, den meine Seele liebt?“ Kaum war ich an ihnen vorüber, fand ich ihn, den meine Seele liebt. (Cant. 3, 1-4)

MEDITATION

Wie bist du entstellt! Die Schläge haben dein Gesicht anschwellen lassen. Und doch, selbst so, mit Blut und Schweiß und ohne menschliches Erscheinungsbild bist du schön. Die schreckliche Nacht und die Demütigungen haben die tiefe Erhabenheit deines Antlitzes nicht erreichen können. Ich sehe, dass du schön warst und dass du immer noch schön bist trotz allem. Und in diesem großen und schönen Antlitz, dein Blick, Herr! Die Gerichtsdiener, die zu den Hohen Priestern zurückgekehrt waren, sagten: „Noch nie hat ein Mensch so gesprochen.“ Ebenso wenig hat es eine solche Tiefe, Milde und Schönheit in einem Blick gegeben.
Warum, Herr, ist dein Antlitz, das doch am Tag der Verklärung so hell wie die Sonne war, nun so geschunden. – Ich erfülle das, was bei Jesaja geschrieben steht: „Viele haben sich über ihn entsetzt, so entstellt sah ich aus“, aber das alles ist nichts, verglichen mit der Sünde in den Seelen, die doch nach meinem Abbild geschaffen wurden. Wenn ich mit der Sünde gleichgesetzt sein werde, werde ich in die Seelen die Schönheit meines Antlitzes einprägen. Noch sicherer als auf ein Kleidungsstück präge ich mein Antlitz ein in das Herz und in die Seele derer, die mich lieben, die mir die Tränen aus den Augen wischen wollen und auch die Tränen von all diesen Geringen, die mir gehören.

GEBET

Herr Jesus,
zeige dein Antlitz allen Kindern der Welt.
Gib, dass die Beleidigungen und Demütigungen der gottlosen Propaganda sie nicht daran hindern, dich zu lieben.
Herr, präge dein Antlitz ein in meine Seele!

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